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TEENS im Ev. Gesamtverband Oberweser

Freizeiten - Eltern-Info

Das Reisen und damit das Verlassen des Gewohnten hatte schon immer einen besonderen Reiz in der Ev. Jugendarbeit, weil es durchaus Bezüge zu der Pilgertradition gibt. Für Jugendliche stellt die Freizeit einen pädagogischen Ausnahmezustand dar, der neue Möglichkeiten aber auch Grenzen mit sich bringt.

In der Zeit meiner Tätigkeit habe ich sechs Freizeiten nach Frankreich, Schweden, Italien und Kroatien durchgeführt und dabei die Erfahrung gemacht, dass man sich in 14 Tagen intensiven Zusammenseins ganz neu kennen lernt.

Jugendliche sind oft das erste Mal in der Situation, alleine in einer Gruppe von gleichaltrigen Jugendlichen zu leben, das erste Mal selbst zu kochen und bei erlebnispädagogischen Aktionen durchaus an ihre persönlichen Grenzen zu kommen. Diese Zeit stellt eine Intensivierung des Lebens dar, die vom Einzelnen unterschiedlich wahrgenommen wird.

Was unterscheidet unsere Freizeiten von kommerziellen Freizeitanbietern?

Zur Freizeit gehört mehr als nur die Unterkunft, der Strand, die Sonne. Natürlich ist es wichtig, den Jugendlichen Erholung zu bieten. Ausgiebiges Sonnen, Baden und Faulenzen gehört einfach dazu. Jedoch genügt das allein eben nicht. Das Erlebnis ist ebenso wichtig.

Die Erlebnispädagogik bietet sich als pädagogische Methode für Freizeiten an, da hier Raum, Zeit und Natur ausreichend zur Verfügung stehen und mit ihr das Gemeinschaftserlebnis in besonderer Weise gefördert werden kann.

Warum ist Erlebnispädagogik heute wichtig?

Einerseits bietet unsere Lebenswelt eine Fülle an Möglichkeiten zur konstruktiven und kreativen Betätigung, andererseits bringen mehr Freizeit und Wohlstand aber auch Probleme mit sich, wie Konsum, Drogen, Gewalt, Vereinzelung und vieles mehr.

Jugendliche haben wenig Möglichkeiten ihr soziales Umfeld aktiv zu gestalten und nutzen ihre Freizeit - wie auch die Erwachsenen - oft nur als passive Konsumenten. Es entsteht ein Leben in medialen Scheinwelten (Fernsehen, Computer etc.).

Mit erlebnispädagogischen Aktivitäten soll einem nur konsumorientierten Alltag entgegengewirkt werden.

Was sind die Ziele?

  • Gemeinsame Erlebnisse schaffen als Basis für echte Beziehungen
  • Jugendliche in Planung und Durchführung einbeziehen, sie Verantwortung übernehmen lassen
  • Ältere "führen" Jüngere (übernehmen Verantwortung)
  • Jugendliche erleben Bestätigung, stärken ihr Selbstvertrauen
  • Aus dem Alltag ausbrechen, etwas Spannendes erleben und dabei die eigenen Grenzen erfahren
  • Sich einschränken und Einfaches bewusst schätzen lernen

Was sind erlebnispädagogische Aktivitäten?

Zum einen die klassischen Naturerfahrungen, wie Wandern, Fahrrad, Kanu, Segeln, Klettern etc., zum anderen bietet auch der städtische Rahmen Raum für erlebnispädagogische Aktivitäten. (z.B. Scotland Yard nicht auf dem Spielbrett, sondern live!).

Wichtig bei allen Aktivitäten: Herausforderung, Aktion und Reflexion, Gruppenselbststeuerung, Vielfalt und Ganzheitlichkeit müssen gewährleistet sein.

Für zeitlich und räumlich begrenzte Möglichkeiten bieten sich Initiativübungen und Problemlösungsaufgaben an. Diese können auch gut als Vorbereitung für die o.g. erlebnispädagogischen Aktivitäten dienen.

Welche Methoden gibt es?

  • Vertrauensübungen, Initiativspiele und Problemlösungsaufgaben
  • Erlebnispädagogische Aufgabenkarten (s. Anhang)
  • Übungen zum Erlernen der jeweiligen Grundtechniken
  • Verschiedene Reflektionsmethoden

Was ist mit der Sicherheit?

Gerade bei erlebnispädagogischen Aktivitäten sollte die Auseinandersetzung mit den erforderlichen Sicherheitsstandards Bestandteil der Planung sein. Zu beachten sind im Wesentlichen fünf Bereiche:

  • Ich muss die Technik beherrschen (eine Kanutour anzuleiten, ohne dafür ausgebildet zu sein und Erfahrung zu haben ist unverantwortlich)
  • Die Ausrüstung muss den fachlichen Kriterien entsprechen (DIN-Normen bei Kletterausrüstungen)
  • Bei der Tourenplanung und -vorbereitung alle sicherheitsrelevanten Fragen abklären (TeilnehmerInnen einweisen, Wetterprognosen einholen...)
  • Ich muss den pädagogischen und psychischen Anforderungen gewachsen sein
  • Die TeilnehmerInnen sollten den physischen und psychischen Anforderungen gewachsen sein
  • Aufsichtspflicht nicht vergessen: - Belehrung und Warnung
    • Überwachung
    • Entschiedenes Eingreifen im Fall des Falles

Nicht unbedingt zur Sicherheit aber dennoch absolut notwendig ist die Beachtung naturschutzrechtlicher Bestimmungen. Gerade bei Natursportarten solltet man sich mit der ökologischen Verträglichkeit der jeweiligen Aktivität auseinandersetzen.

Bildungs- und Kulturpolische Aspekte einer Freizeit

These: Unsere Freizeiten sind keine "Ballermannreisen". Die Auseinandersetzung mit dem Reiseland gehört dazu.

  • Geschichte des Landes
  • Kultur, Politik, Soziales

Vermittelt werden diese Informationen an die Teilnehmer durch:

  • situationsbezogenes Informieren/Erzählen
  • Geschichten und Anekdoten (Lagerfeuer)
  • Kontakt mit Einheimischen
  • Besuch interessanter Orte (Natur, Museen, etc.)
  • Rallye der Teilnehmer am Aufenthaltsort

Am Beispiel Kroatien wird deutlich, wie wichtig es ist, Informationen über die Geschichte zu erfahren. Wer von uns weiß eigentlich, was im Bürgerkrieg wirklich passiert ist, wie die Situation am Ende war und was es für Folgen bis in die heutige Zeit hatte. So gehört es dazu, dass es einen Abend auf der Freizeit gibt, in dem der Leiter der Friedenseinrichtung "Skola Mira" Damjan Vaseljewic, in der wir untergebracht waren, uns über die Vergangenheit informiert und wir Fragen dazu stellen können.

Kreative Elemente einer Freizeit

Kreative Elemente und Rituale haben zum Ziel, gemeinsame Gruppenerlebnisse zu schaffen und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Der Phantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Einige Stichworte lauten:

  • T-Shirts gestalten
  • Hennatattoos, Bändchenweben, etc.
  • Lagerzeitung
  • Fotos
  • Bergfest
  • Gemeinsamer Tagesabschluss
  • Freizeitsong
  • etc ...